Recherche

Simplyright & Inkassohilfe.de: das Konstrukt hinter der vermeintlich kostenlosen Inkassohilfe

Du suchst Inkassohilfe, willst nur ein Abo loswerden oder hast einen Inkassobrief im Kasten. Du landest auf Simplyright, inkassohilfe.de oder einer der Schwesterseiten, freundlich, professionell, schnelle Lösung versprochen. Ein paar Wochen später hast du etwas, das du garantiert nicht wolltest: ein neues, kostenpflichtiges Simplyright-Abo. Genau dieses Muster schauen wir uns hier an, mit Namen.

Einordnung vorab: Dieser Beitrag stützt sich auf öffentlich zugängliche Quellen (siehe unten). Was gerichtlich festgestellt ist, ist als solches gekennzeichnet. Wo es um die genaue Verkaufsmechanik geht, handelt es sich um Vorwürfe von Betroffenen und Verbraucherschützern, entsprechend gekennzeichnet. Dies ist ein Erfahrungs- und Recherchebeitrag, keine Rechtsberatung.

Zuerst das, was belegt ist

Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg ist gegen die Simplyright GmbH (Sitz in Monheim am Rhein) vor Gericht gezogen, und hat ein Urteil erwirkt. Das Gericht untersagte dem Unternehmen unter anderem,

  • auf seiner Website kostenpflichtige Aboverträge anzubieten, ohne dass Verbraucher dort über eine Kündigungsschaltfläche wieder kündigen können, und
  • für das kostenpflichtige Abo mit Kundenstimmen zu werben, ohne offenzulegen, ob diese Bewertungen überhaupt von echten Kund:innen stammen.

Das ist kein Gerücht, sondern eine gerichtliche Unterlassung. Sie ist der belastbare Kern dieser Geschichte, und ein guter Grund, bei solchen Seiten grundsätzlich vorsichtig zu sein.

Eine Masche, viele Türen: von Simplyright bis Inkassohilfe.de

Simplyright ist nur eine von mehreren Eingangstüren. Die „Inkassohilfe“-Variante ist nur ein anderer Name für denselben Mechanismus, dieselbe Betreiberstruktur taucht unter verschiedenen Domains auf, jeweils zugeschnitten auf eine andere Notlage:

  • simplyright.de, wirbt als „digitaler Rechtsassistent“ für Kündigungen, Abofallen, Inkasso und mehr.
  • inkassohilfe.de, richtet sich gezielt an Menschen mit Inkassopost, die schnelle Inkassohilfe suchen, und wird nach Betreiberangaben von der Simplyright GmbH betrieben.
  • abo-hilfe.de und aboanalyse-kostenlos.de, für ungewollte Abos.
  • smartkündigen.de, betrieben von der smartkündigen OHG (Neuss), beworben als „kostenloser Kündigungsdienst“.

Auffällig ist, wie stark sich diese Seiten in Aufbau, Textbausteinen und Stoßrichtung ähneln und wie sehr sie auf denselben Personenkreis zielen: Menschen, die gerade eine Mahnung, ein Inkassoschreiben oder ein ungewolltes Abo am Hals haben. Wer bei inkassohilfe.de nach Inkassohilfe sucht, landet am Ende im selben Kosmos wie alle anderen.

Wo die Falle zuschnappt

Der zentrale Vorwurf, den Betroffenenberichte zeichnen: Menschen wenden sich an eine dieser Seiten, weil sie ein Abo kündigen oder eine Forderung abwehren wollen, und werden im Beratungs- oder „Bestätigungs“-Gespräch in ein neues, kostenpflichtiges Abo geführt, etwa die Mitgliedschaft „Simplyright Plus“. In den Kündigungsbewertungen zu genau dieser Mitgliedschaft liest man das Muster wieder: Leute, die „Simplyright Plus“ loswerden wollen, weil es ihnen zu teuer geworden ist, oder die von weiterlaufenden Abbuchungen berichten.

Dazu passt eine seit Langem bekannte Warnung der Verbraucherzentrale: Wenn man dich auffordert, eine Kündigung noch einmal telefonisch zu bestätigen, dient das häufig nur dazu, dir weitere Verträge zu verkaufen. Wichtig zu wissen: Eine Kündigung ist einseitig, du musst sie nicht bestätigen, und du musst solche Rückrufe nicht annehmen.

Warum das so perfide ist

Die Menschen, die hier landen, sind die denkbar Verletzlichsten für genau diesen Trick. Sie wollten gerade einen Vertrag oder eine Forderung loswerden, sie kommen, um Kosten zu beenden, und gehen mit neuen Kosten. Aus „Ich suche Hilfe“ wird „Ich habe jetzt ein Abo“. Es ist dasselbe Muster, das diesen ganzen Blog durchzieht: Die Hilfe ist das Produkt, und bezahlt wird mit einem neuen Vertrag.

Echte, kostenlose Inkassohilfe statt Simplyright-Abo

Wenn du wirklich Inkassohilfe brauchst, gibt es seriöse Stellen, die nichts kosten und kein Abo verkaufen:

  • Kündigen kannst du selbst. Ein formloses Kündigungs- oder Widerrufsschreiben genügt; eine Unterschrift ist meist nicht nötig. Verschick es nachweisbar (Einschreiben oder E-Mail mit Bestätigung) und schreib gleich rein, dass du keine telefonische Rückwerbung wünschst.
  • Lass dich nicht „bestätigen“. Reagiere nicht auf Anrufe, die deine Kündigung angeblich erst gültig machen sollen.
  • Kostenlose Inkassohilfe: den Inkassocheck der Verbraucherzentrale nutzen und im Rechtsdienstleistungsregister prüfen, ob das Inkassobüro seriös registriert ist, beides ist gratis und ersetzt jede kostenpflichtige „Inkassohilfe“ aus dem Simplyright-Umfeld.
  • Bei Abofallen: den kostenlosen Musterbrief „ungewolltes Abo stoppen“ der Verbraucherzentrale verwenden und beim Mobilfunkanbieter eine Drittanbietersperre einrichten.
  • Bei echten Schulden: anerkannte, kostenlose Schuldnerberatung (Caritas, Diakonie, AWO, kommunale Stellen).
  • Die goldene Regel: Kein neues Abo, kein neuer Vertrag und keine telefonische „Bestätigung“, um ein altes Problem zu lösen.

Belege & Quellen

Stand: Juni 2026. Soweit Vorwürfe nicht gerichtlich festgestellt sind, sind sie als Vorwürfe gekennzeichnet. Personenbezogene Zuschreibungen wurden bewusst weggelassen. Dieser Beitrag ist keine Rechtsberatung.